Yoga und Shiatsu mit Kindern

Das positive Echo ist eindeutig: „Wann ist wieder Shiatsu?“ fragen die Kinder, mit denen Britta Oßenbrüggen regelmäßig in kleinen Gruppen an einer Hamburger Grundschule arbeitet. Die Yogalehrerin und Shiatsutherapeutin gibt zudem mit ihrem Buch „Yoga und Shiatsu mit Kindern“ Lehrern, Eltern und anderen Menschen, die diese Methoden in ihr pädagogisches Konzept integrieren möchten, einen praktischen Leitfaden an die Hand. Das folgende Interview führte Ulrike Schmidt von der Berliner Schule für Zen Shiatsu





Britta, du bist sehr engagiert darin, auch in Schulen Kinderyoga und Shiatsu anzubieten. Und tust das auch seit einigen Jahren. Wie ist die Resonanz von Schulleitern, Eltern und Kindern?


Ich mache seit über zwanzig Jahren Yoga in einer Hamburger Grundschule, zunächst nur mit einer Klasse, jetzt haben alle Kinder einmal in der Woche Yoga. Mit großem Erfolg. Die Lehrer spüren die Wirkung, die Kinder lieben es und die Eltern sind dankbar, dass es an der Schule Yoga gibt. In meinem Yogaunterricht baue ich auch kleine Shiatsu-Einheiten ein, die die Kinder dann miteinander praktizieren. Seit drei Jahren gibt es ein Shiatsu-Projekt, in dem acht bis zehn Shiatsu-PraktikerInnen in die Schule kommen und drei bis vier Kinder hintereinander behandeln. Auch dies ist sehr gut angenommen worden, die Eltern, die Lehrer und die Schulleitung finden jetzt auch zum Shiatsu Vertrauen und die Kindern fragen: Wann ist wieder Shiatsu? Yoga ist ja viel bekannter inzwischen, Shiatsu noch nicht so sehr, aber das wird sich ändern, je mehr Shiatsu mit Kindern stattfindet. Die ausgleichende Wirkung ist deutlich zu sehen und zu spüren. Die unruhigsten Kinder kommen zur Ruhe und viele emotionale Blockaden lösen sich. Dazu gibt es einige Fallbeispiele von denen ich berichten werde.

Du hast selbst keine Kinder. Wie ist deine Leidenschaft für Kinderyoga und Kindershiatsu entstanden? Und was war zuerst in deinem Leben: Yoga oder Shiatsu?

Ich hatte immer schon einen guten Draht zu Kindern, in meinem ersten Yogakurs waren vier Kinder, das war vor 25 Jahren. Im meinem Studium der Sozialpädagogik habe ich den Schwerpunkt Kinder gewählt und schnell erkannt, das alles, was Kinder für ihre Entwicklung brauchen, im Yoga und Shiatsu natürlicherweise enthalten ist. Die Kombination ist ideal: Wahrnehmungsförderung, Bewegungsförderung, Integration der Sinne, Abbau von Stress und Ängsten. Shiatsu nährt besonders den Basissinn Berührung. Ich habe dann eine Dozentin gefunden, die mir ermöglicht hat das Thema „Yoga und Shiatsu in der pädagogischen Arbeit“ als Diplomarbeit zu schreiben. Das war damals ein ungewöhnliches Thema. Yoga praktiziere ich seit 30 Jahren, Shiatsu seit 1990.

Viele Menschen sind erstmal zögerlich, Kinder mit Shiatsu zu behandeln. Was ist völlig dabei anders als beim Shiatsu mit Erwachsenen?

Eigentlich ist Shiatsu mit Kindern nicht wirklich anders, vielleicht mehr Spiel, mehr Spontaneität. Die Kinder liegen auch nicht immer still, aber das Grundprinzip ist gleich: präsente Berührung aus der Mitte, urteilsfrei. In der Tendenz sind die Behandlungen mit Kindern kürzer, auch gibt es Techniken die besonders für Kinder geeignet sind.

Wir in Europa haben keine Tradition im Massieren von Babys und Kleinkindern, so wie etwa in Indien und Nepal. Was verpassen wir – entwicklungsgeschichtlich gesehen – dadurch?

Die Kinder entwickeln sich in den ersten Jahren hauptsächlich durch Verarbeitung sinnlicher Wahrnehmung und dessen Umsetzung in Bewegung. Alle Sinne nehmen Eindrücke auf und senden sie an das Gehirn. Das Gehirn ordnet diese und formt sie zu Eindrücken. Hier wird dann von Entwicklungsbausteinen gesprochen, die sich nacheinander bilden und aufeinander aufbauen. Über die Haut verteilt finden sich Hautrezeptoren, die mit dem Zentralnervensystem verbunden sind und ihre Eindrücke dorthin weitergeben. Das Massieren und Berühren entwickelt ein Basisbaustein auf denen viele andere Fähigkeiten wie Sprechen, Laufen, Greifen aufbauen. Alte Kulturen haben dieses Wissen instinktiv gehabt und immer weitergegeben, vielleicht gab es ähnliches in unserer Kultur, wir sind nur abgeschnitten worden durch unsere Geschichte.

Berührung ist existentiell. Welche Entwicklungsvorteile haben Kinder, die ständig Zugang zu einer liebevollen Berührung haben?

Berührung ist das ursprünglichste unserer Sinne (im Mutterleib) und ein wichtiger Bestandteil für die Entwicklung von Kindern. Kinder, die liebevoll und gut berührt werden, haben einen viel besseren Start für ihr Leben und einen wichtigen Baustein für ihre Entwicklung. Sie entwickeln Urvertrauen in sich und in ihre Bindungen, darauf baut das Leben auf. Je mehr Technik uns und die Kinder umgibt, desto mehr Berührung brauchen sie und wir. High tech – high touch. Es gab auch in unserer Pädagogik Richtungen, die sehr auf die Sinne und das Wahrnehmen und Fühlen und Bewegen ihren Wert legen, z. B. Montessori und Kiphart, aber es hat sich nicht grundsätzlich überall durchgesetzt.

Brauchen wir in unseren Shiatsu-Praxen mehr „Spielsachen“, um sie auch für Kinder interessant zu machen?

Ich habe einen Bären, der mit auf dem Futon liegt, der macht auch manchmal mit. das gibt für kleinere Kinder ein gutes Gefühl. Sonst habe ich nichts, außer dem gemeinsamen Sein. Manchmal gibt es ein paar Yogaübungen, wie z. B. Katze, Hund, Baum, das kann jeder Shiastupraktiker lernen und gut umsetzen. Shiatsu sollte im Vordergrund stehen, das Spiel zum Shiatsu führen.

Eine unserer Absolventinnen hat im Rahmen der Ausbildung eine Fallstudie mit einem Kind gemacht. Sie hat während der Behandlung sozusagen ein Märchen „kreiert“ und die Körperteile dann, wenn sie sie berührte, mit in die Geschichte mit einbezogen. Eine tolle Idee. Sprichst du auch mit den Kindern, während du sie behandelst?

Kreativität ist immer gut im Umgang mit Kindern. Wichtig ist, dass die Kinder im Sinne von Shiatsu berührt werden. Ich spreche während der Behandlung mit den Kindern und benenne einige Shiatsugriffe, damit sie mir sagen können, was ihnen besonders gut tut, auch damit sie Vertrauen finden. Ansonsten bin ich still, das stille Zusammensein ist etwas was Kinder genießen und tief aufnehmen.

Wie gehst du mit der Bezahlung von Kinderbehandlungen um? Welche Eltern leisten kann sich regelmäßig das Honorar für eine Behandlung ihres Kindes?

Ich spreche die Bezahlung mit den Eltern ab, das ist von Fall zu Fall unterschiedlich.

Was sind die Hauptindikationen / Beschwerdebilder von den Kinder, die du behandelst?

Alles, was das Leben zu bieten hat: Hyper- oder Hypoaktivität, Wutausbrüche, Bettnässen, Schlaflosigkeit, Ängste, Schulängste, emotionale Blockaden, Lernstörungen jeglicher Art, z. B. Konzentrationsstörungen, Sprechprobleme, Schwierigkeiten mit der Fein- oder Grobmotorik, Koordinationsschwierigkeiten.

Aber es müssen nicht Beschwerdebilder da sein, damit die Kinder zum Shiatsu kommen. Shiatsu unterstützt die Kinder insgesamt in ihrem Entwicklungsprozess und gibt ihnen eine Unterstützung auf ihrem Weg. Das Lernen und das Leben miteinander werden leichter.

Wie sind hyperaktive Kinder überhaupt auf dem Futon „ruhig“ zu bekommen? Machst du vorher dynamische Übungen mit ihnen? Und sind die Mutter oder der Vater eigentlich dabei, wenn du behandelst?

Bei dynamischen Kindern gehe ich mit der Dynamik mit und finde die Stille darin.

Die Eltern sind manchmal dabei und wir praktizieren etwas Gemeinsames, später bin ich dann meistens alleine mit dem Kind.

Du kennst ja sicherlich das Projekt „Ferien vom Krieg“. Dort arbeiten wochenweise ShiatsupraktikerInnen mit traumatisierten Kriegskindern.

Ein wunderbares Projekt. Präsente Berührung aus der Mitte, kontinuierlicher Kontakt und Gehaltenwerden befreit den „Schmerzkörper“, Eckhart Tolle die Ansammlung alter Emotionen nennt. Das ermöglicht ein Stück innere Heilung für die Kinder. Ein erfahrener und präsenter Shiatsupraktiker oder eine Shiatsupraktikerin ist hierfür notwendig.

Deine Diplomarbeit ist auch als Buch erhältlich, richtig?

Ja, mein Buch Yoga und Shiatsu mit Kindern – ein Weg zur Ganzheit ist seit Ende Januar 2010 im Buchhandel erhältlich.

Britta, vielen Dank für das Interview!
http://www.zen-shiatsu-schule.de

erschienen am: 01.03.2011
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