KGS trifft … An­drea Ku­basch

Power Yo­ga – das hört sich für vie­le si­cher­lich zu­n­ächst sehr mo­dern und nicht nach dem klas­si­schen, ru­hi­gen Yo­ga an. Doch Power Yo­ga ist viel mehr als nur ein Work­out. Wir ha­ben mit ei­ner der Frau­en ge­s­pro­chen, die die­sen Yo­gas­til von Ame­ri­ka nach Deutsch­land ge­bracht ha­ben. An­drea Ku­basch, ge­nannt Qbi, ist Deutsch­lands wohl be­kann­tes­te Power Yo­gal­eh­re­rin und Mit­grün­de­rin von Power Yo­ga Ger­ma­ny. Wie die­ser Stil Kör­per und Geist in Ein­klang bringt und war­um er uns glän­zen lässt, hat Qbi im Ge­spräch mit Lea Witt­e­berg ver­ra­ten

Hin­ter ei­ner un­schein­ba­ren Fas­sa­de aus Glas in­mit­ten des Ham­bur­ger Schan­zen­vier­tels ver­birgt sich ei­ne klei­ne Oa­se. Ein har­mo­ni­scher und ru­hi­ger Raum mit ge­dämpf­tem Licht, Tee­lich­ten und ei­ner Ga­ne­sha-Fi­gur, ei­ner in­di­schen Gott­heit. Zu Be­ginn des 90-minü­ti­gen Power Yo­ga­kur­ses ist es auch tatsäch­lich noch ru­hig und ent­span­nend. Qbi er­zählt von Shi­va, dem in­di­schen Gott. Doch dann geht es los: In­ner­halb we­ni­ger Mi­nu­ten sind al­le Teil­neh­mer des Kur­ses mit­ten in fließen­den und in­ein­an­der über­ge­hen­den As­an­sas, den Yo­gast­el­lun­gen. Vom „Peace­ful War­ri­or“ über „Wind­müh­len­ar­me“ bis hin zur „Krähe“ ist so ziem­lich al­les da­bei. Qbi und ih­re Co­trai­ne­rin ge­hen zwi­schen den Mat­ten ent­lang, kor­ri­gie­ren und mo­ti­vie­ren. Qbi macht Scher­ze, wir la­chen viel.

Das ist al­so Power Yo­ga, den­ke ich, und es trägt sei­nen Na­men zu Recht, denn es ist schnell und man braucht Stär­ke und Aus­dau­er. „Es han­delt sich um ei­nen sehr kraft­vol­len Yo­ga, der von mei­nem Leh­rer Bryan Kest ent­wi­ckelt wur­de. Die­ser Stil ba­siert auf dem Vi­nya­sa Kon­zept, ei­nem Stil des Ha­tha Yo­ga­sys­tems, und es wird ei­ne dy­na­mi­sche Ab­fol­ge von As­a­nas ver­wen­det.“

Power Yo­ga gibt es Deutsch­land noch gar nicht so lan­ge. Vor zehn Jah­ren brach­te Qbi es hier­her und seit­dem er­freut sich die­ser Stil wach­sen­der Be­liebt­heit. Qbi nennt es „das ech­te Yo­ga, wel­ches durch mich hin­durch­kommt und wel­ches ich in mei­ner ganz per­sön­li­chen Art aus­drü­cke.“ Power Yo­ga ist für je­den Kör­per ge­eig­net, der die Freu­de an der Be­we­gung ge­nießt und der sich ein ganz­heit­li­ches Fit­ness­trai­ning für Kör­per und Geist wünscht.

Die al­te Fit­ness­men­ta­lität, so glaubt die Yo­gal­eh­re­rin, sei für vie­le Men­schen über­holt und vor­bei. Kei­ner wol­le sich mehr ka­putt ma­chen bei dem Ver­such gut aus­zu­se­hen. „Und wenn man es ge­nau be­trach­tet, war­um wol­len Men­schen über­haupt gut aus­se­hen? Ich weiß nicht, wie du wirk­lich glück­lich wer­den willst, wenn du nicht mit dir selbst ein­ver­s­tan­den bist.“

Power Yo­ga be­deu­tet für Qbi den di­rek­ten Weg zu Glück und Ein­klang mit dem Kör­per, mit dem Geist und mit der See­le oh­ne den eit­len Wunsch nach gu­tem Aus­se­hen. Dass Power Yo­ga den­noch ein tol­les Work­out ist, das die Fi­gur formt, ist ein will­kom­me­nes Ne­ben­pro­dukt.

Qbis Weg zum Yo­ga ent­stand durch ei­ne ganz ba­na­le Sehn­sucht: Sie be­wun­der­te Ma­don­nas Ober­ar­me. Durch ih­re frühe­re Tä­tig­keit als Mar­ke­ting­ma­na­ge­rin ei­ner großen Plat­ten­fir­ma war sie im­mer nah dran an den großen Stars. Sie be­gann mit Bik­ram Yo­ga und Asht­an­ga Yo­ga. Nach ei­ni­gen Aus­flü­gen in di­ver­se Yo­gas­ti­le woll­te sie schon mit Yo­ga auf­hö­ren. Doch dann be­such­te sie Da­vid Wil­liams, den Leh­rer der Power-Yo­ga-Le­gen­de Bryan Kest, bei ei­nem sei­ner Work­shops. „Er emp­fahl mir, Bryan Kest per­sön­lich zu tref­fen und nach sei­ner An­lei­tung zu ü­ben. So kam es da­zu, dass ich im ame­ri­ka­ni­schen Mek­ka der Yo­gis – in San­ta Mo­ni­ca – Bryan Kest für mich ent­deck­te. Ich be­sorg­te mir al­le DVDs von ihm, üb­te da­nach und er wur­de schließ­lich we­nig spä­ter mein Leh­rer.“

Nach meh­re­ren Yo­gal­eh­rer­aus­bil­dun­gen grün­de­te Qbi mit ih­rem Part­ner Dirk Ben­ne­witz schließ­lich Power Yo­ga Ger­ma­ny, wo sie nicht nur Kur­se, son­dern auch selbst Aus­bil­dun­gen lei­tet. Es fin­den re­gel­mäßig Work­shops zu un­ter­schied­li­chen Yo­ga­the­men wie zum Bei­spiel zur „Fly School“ statt, der Kunst des yo­gi­schen Flie­gens. In­spi­rie­ren­de Be­geg­nun­gen mit welt­be­kann­ten Yo­gal­eh­rern wie Si­mon Borg-Oli­vier bie­tet Power Yo­ga Ger­ma­ny eben­falls an.

Steht Power Yo­ga denn auch im Ein­klang mit der Phi­lo­so­phie des ur­sprüng­li­chen Yo­ga oder ist es eher ein sehr mo­der­ner Yo­gas­til, der mehr auf das kör­per­li­che denn auf das geis­ti­ge Wohl­er­ge­hen fo­kus­siert ist? „Auf je­dem Fall steht Power Yo­ga im Ein­klang da­mit!“, sagt Qbi. „Die Yo­gal­eh­re ist so um­fang­reich und die­se hei­li­gen Mo­men­te vor und nach dem Un­ter­richt in un­se­ren Stu­di­os sind so be­son­ders, dass man sich selbst er­lau­ben soll­te, et­was zu kre­ie­ren und mit dem Gött­li­chen zu tan­zen.“ Power Yo­ga er­lau­be es ei­nem, die Re­geln zu ver­las­sen, zu­zu­hö­ren und wahr­haf­tig auf Ent­de­ckungs­rei­se zu ge­hen. „Mein Leh­rer sag­te im­mer: Sei ein ‚soul-sci­en­tist‘. Du gehst in dein La­bor auf die Mat­te und un­ter­suchst dein hei­li­ges Selbst durch dei­nen Kör­per, je­den ein­zel­nen Tag.“

Am liebs­ten prak­ti­ziert Qbi in ih­ren ei­ge­nen Yo­ga­s­tu­di­os ge­mein­sam mit all den wun­der­ba­ren Men­schen. Sie liebt die­se fröh­li­che und in­spi­rie­ren­de Ge­mein­schaft. „Ei­ne per­sön­li­che Yo­ga­pra­xis ist wie ein bes­ter Freund. Es er­for­dert Aus­dau­er, Ehr­lich­keit, je­de Men­ge Lie­be und Los­las­sen.“

Mitt­ler­wei­le hat Qbi schon zehn Yo­ga-DVDs ver­öf­f­ent­licht, die ak­tu­ells­te ist De­tox Yo­ga. Doch was ge­nau kann ich mir un­ter „Ent­gif­tungs-Yo­ga“ vor­s­tel­len? Der Grund­ge­dan­ke ist fol­gen­der: Seit Jahr­hun­der­ten ver­wen­den Men­schen ih­ren Schweiß, um den Kör­per zu ent­gif­ten. Da­von aus­ge­hend hat Qbi die­sen Stil ent­wi­ckelt, um sich von in­nen nach außen zu rei­ni­gen. Man kann Ge­wicht ver­lie­ren und ei­nen stär­ke­ren, ef­fi­zi­en­te­ren Kör­per ent­wi­ckeln. Eben­so ent­gif­tet auch der Geist von ne­ga­ti­ven Ge­dan­ken und zahl­rei­chen Stress­sym­p­to­men. Das Re­sul­tat: „Wir ge­hen mit ei­nem ru­hi­gen, fried­li­chen, le­ben­di­gen Glanz durch den Tag, der durch die­se Pra­xis er­zeugt wird.“

Qbi lebt, was sie lehrt. Sie ach­tet auf ih­re Ernäh­rung, macht viel Yo­ga und auch an­de­ren Sport und schläft ger­ne. „Von Sah­ne­s­oßen und mit Kä­se über­ba­cke­nen Ge­rich­ten hal­te ich Ab­stand und stei­ge auf Obst und Ge­mü­se um. Al­ko­hol­ge­nuss und die Näch­te durch­zu­fei­ern sind nicht wirk­lich mein Ding. Dis­zi­plin be­deu­tet für mich Frei­heit. Ich lie­be es mor­gens aus dem Bett zu stei­gen und di­rekt auf die Mat­te zu ge­hen.“

Den Ab­schluss der Yo­ga­s­tun­de bil­det das Sa­vas­a­na, die End­ent­span­nung. Qbi fragt, ob ir­gend­wer kei­ne Na­cken­mas­sa­ge möch­te. Na­tür­lich mel­det sich nie­mand. Wir al­le lie­gen auf dem Rü­cken mit ge­sch­los­se­nen Au­gen. Der Raum wird nun ab­ge­dun­kelt und be­ru­hi­gen­de Klän­ge er­tö­nen wie aus der Fer­ne. Ge­dan­ken kom­men und ge­hen wie vor­bei­zie­hen­de Wol­ken. Die leich­te Mas­sa­ge mit duf­ten­dem Öl ent­spannt und ist wohl­tu­end nach die­sem schweiß­trei­ben­den Trai­ning. Der Kör­per ent­spannt und eben­so der Geist. Qbi nimmt uns mit ei­ner Er­zäh­lung von den in­di­schen Gott­hei­ten mit auf ei­ne Rei­se. Als ich wie­der die Au­gen öff­ne, se­he ich um mich her­um so vie­le glück­li­che und zu­frie­de­ne Ge­sich­ter, und ja, al­le ha­ben die­sen ge­wis­sen Glanz in den Au­gen.

Vie­len Dank für das Ge­spräch, Qbi, und für die­se wun­der­ba­re Er­fah­rung!
 

Text: Lea Wit­ten­berg


Wei­te­re In­for­ma­tio­nen un­ter: www.power­yo­ga­ger­ma­ny.de 

AN­DREA KU­BASCH: Gaiam – De­tox Power Yo­ga • Cle­ar Vi­si­on (Ali­ve AG) 2013, DVD, 70 Mi­nu­ten • • • Bri­git­te Fit­ness – Power Yo­ga: Neue En­er­gie für Kör­per und See­le • WVG Me­di­en 2010, DVD, 110 Mi­nu­ten